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Ansichten

Im Oktober 2000 erschien folgender Leserbrief von mir in der
„Deutschen Wachtelhundzeitung“, der mit dazu beitrug, im
Verein eine intensiv geführte Diskussion in Gang zu bringen.
In Punkto Schärfe ist in der Zucht die letzten Jahre viel erreicht
worden und mit der Regelung, dass Mischpaarungen u. a.
zulässig sind, wenn max. 5 Generationen zurück eine „braune
Wurzel“ vorhanden ist, haben wir m. E. nach heute eine tragbare
Lösung gefunden.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei allen
Mitstreitern, aber auch bei den verantwortlichen Funktionären
bedanken. Stellvertretend für viele andere seien hier an dieser Stelle
mein väterlicher Freund und Mentor Armin Kienle, sowie Dr. Herbert
Müsch, Dr. Dorothea und Dr. Heimart Schlemm, Heiner Hemme und
Reiner Falk genannt.

Über eine Genehmigungspflicht von Wiederholungswürfen müsste
man sich aber trotzdem dringend Gedanken machen …

                                                  

hund                         sam33 
             Großer Hund                                      „schöner“ Hund

 

Gedanken zu Mischpaarungen
Nicht jede Hündin ist eine Zuchthündin. Bei mir war`s  erst die
dritte, die voll überzeugte.

Die Suche nach dem „richtigen“ Rüden für meine Braune erwies sich als
schwierig. Ich wusste zwar, dass man im Verein die zwei Farbstämme
getrennt züchten will, doch die braunen Linien schienen mir zu eng
miteinander verwandt – und ich wollte braune Hunde züchten.

Die Freundlichkeit des Wachtels macht ihn zum willkommenen
Familienhund, gerade wenn man, wie wir kleine Kinder hat. Wenn diese
Freundlichkeit aber auch vor dem Wild nicht halt macht, wird`s
bedenklich. Mein Eindruck, dass dies ein Rasseproblem ist, wird durch
die Umfrage des 96-er Wurfs bestätigt.


Mein Zuchtziel sollte also der gesunde (HD), wildscharfe Hund sein und
das wollte ich erreichen ohne andere zu kopieren.

Da der Schimmelstamm weniger HD-belastet ist und obendrein die
Chance bot eine neue Blutlinie aufzubauen, beantragte ich eine
Sondergenehmigung für die Anpaarung eines Schimmelrüden. Der Weg
war steinig, aber ich erhielt die Erlaubnis. Da die Mutter meiner Braunen
rehrot, ihre Großmutter gar ein Braunscheck ist, wurden mir alle Farben
vorhergesagt. Es fielen 8 braune Welpen. (Bei den folgenden Würfen
setzte ich einen Braunen und einen Helltiger ein, hieraus fielen zusammen
weitere 17 Braune und 2 Rehrote.)

Weil Vater- und Muttertier keinerlei Verwandtschaftsgrad aufwiesen,
sagte man mir ein sehr starkes Auseinandermendeln bezüglich der
Leistung voraus. Die Hunde zeigten auf der JP ein durchaus
befriedigendes einheitliches Bild. „Die Linien sind mittlerweile eben so
durchgezüchtet, dass es kaum noch zu großen Ausreißern kommt!“, war
die Erklärung. Allerdings war dieser Wurf mit verschiedenen anderen
Merkmalen belastet, so dass es wohl doch nicht der passende Deckrüde
war.


Heute ist es glücklicherweise – unter bestimmten Vorraussetzungen –
zwar leichter eine Mischpaarung genehmigt zu bekommen, doch bleibt
für mich die Frage, warum es diese Sondergenehmigung überhaupt
bedarf?


Begründet wird es in erster Linie damit, dass man innerhalb der Rasse
über eine Zuchtreserve verfügt, sobald bei einem oder beiden Stämmen
Probleme hinsichtlich Leistung, Vitalität oder Gesundheit auftreten.
Schaut man sich die Zahl leergebliebener Hündinnen und die Diskrepanz
zwischen gewölften und aufgezogenen Welpen an, könnte man manchmal
das Gefühl bekommen wir seien schon soweit. Aber ist es generell der
richtige Weg bewusst auf diese Situation zuzusteuern, um dann eines
Tages mit mehr oder weniger kranken Hunden weiterzüchten zu müssen?
Und wie wahrscheinlich ist es, dass wir an diesen Punkt kommen?


Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg schreibt in
einem ihrer Merkblätter zum Thema Inzucht: „Man schätzt heute, dass
für die langfristige Erhaltung einer Population größerer Säuger
mindestens 500 Individuen notwendig sind.“ Mit „Individuen“ können in
diesem Zusammenhang wohl nur Zuchttiere gemeint sein. Eine
Hunderasse mit nicht viel mehr als 500 Welpen/Jahr muss wohl als sehr
klein gelten! Und wie ernst wird es für eine so kleine Rasse, wenn eine
Aufsplittung für eine große Rasse schon eine Gefahr darstellt? „… Daher
ist es auch für eine große Rasse gefährlich, wenn man sie in Varietäten
mit verschiedenem Haarkleid oder Farbe, oder gar in
„Vereinspopulationen“ unterteilt, die man nur mehr untereinander
verpaart.“ (Helmut Wachtel, Hundezucht 2000).


Müsste es nicht vielmehr im ureigensten Interesse eines
Hundezuchtvereins liegen die genetische Vielfalt zu fördern? Mit der
jetzigen Regelung, dass herausmendelnde Braunschimmel und –schecken
aus brauner Zucht dem Schimmelstamm zugeschlagen werden, können
die Schimmelzüchter sicher gut leben, bekommen sie doch ständig
„neues Blut“, das sie ohne langes Genehmigungsverfahren jederzeit
einsetzen können. Für die braune Linie wird es dagegen immer enger, da
aus dem farblich rezessiven Schimmelstamm kaum braune Welpen fallen
können, Viele Züchter von Braunen haben schon jetzt Probleme aus
ihrem „genetischen Flaschenhals“ herauszukommen. Oft werden dann
Wiederholungswürfe gemacht, die wiederum zu einer weiteren
Verengung der Zuchtbasis führen. Das ist zwar der Zucht unseres
Rassehundes alles andere als dienlich, der Verein verlangt hierfür aber
keine Ausnahmegenehmigung!


Immer wieder wird auch Altvater Frieß bemüht, um die althergebrachte
Trennung der beiden Schläge zu begründen. Das Bild, das er uns von
seinen beiden Rüden, dem kurzjagenden, ruhigen aber wildscharfen
Braunen und dem feinnasigen, weitjagenden Braunschimmel, gezeichnet
hat, mag damals wohl von repräsentativem Aussagewert gewesen sein.
Heute, viele Hundegenerationen später, bei gleicher Prüfungs- und
Zuchtordnung, muss seine Gültigkeit zumindest kritisch hinterfragt
werden. Kurzjagende Hunde erreichen nicht die Zuchtnoten und
wildscharfe Hunde werden in beiden Schlägen bevorzugt eingesetzt.
Auch gelten für beide Schläge die gleichen Mindest- und Höchstmaße.
Und die Regel, dass größere, schwerere Typen ruhiger und nervlich
stärker besaitet sind als leichtere, gilt wohl nicht nur für Hunde.


Was also begründet diese Angst der Vermischung der beiden Stämme?
Sorgt man sich um den rezessiven Farbstamm? Die Braunschimmel
haben ihre Anhänger und ihr Klientel, begründet auf dem guten Ruf, den
sich ihre Züchter und Führer erarbeitet haben. Für sie würde sich auch
nichts ändern, außer dass durch die Mischpaarungen auch mehr
zweifarbige Hunde herausmendeln und sich dadurch auch für die
Schimmelzüchter der genetische Pool weiter vergrößern würde.


Ich bin weiß Gott kein Kynologe, doch habe ich manchmal den Eindruck,
wir machen uns um manche Dinge zuviel und um andere zuwenig
Gedanken. Oder ist es einfach ein traditionelles Festhalten am bisher
Bewährten? Wir züchten nicht Jagdhunde um der Hunde oder gar um
unser selbst Willen. Wir wollen Jagdhunde für die Jagd und den Jäger
züchten, Alles andere muss mittelfristig zum Scheitern einer
Jagdhunderasse führen. – Und was gefragt wird regelt der Markt. Die
Genehmigungspflicht für Mischpaarungen halte ich deshalb für
antiquiert und überflüssig. Wir sollten unseren Blick mehr auf die
langfristige Sicherung der Rasse richten und selbsterlassene Vorschriften
überprüfen inwieweit sie noch zeitgemäß sind.


Für Wiederholungswürfe halte ich hingegen eine Ausnahmegenehmigung
aus oben genannten Gründen für sinnvoll.


Neue Wege sind gefragt! Auch was die Zuchteignung anbelangt. Einige
Hunde, die auf Prüfungen mittelmäßig gelaufen sind haben
leistungsstarke Nachkommen, während Zuchthunde die mit ersten
Preisen glänzten manchmal enttäuschen. Hier wird dann der Unterschied
zwischen Phänotyp und Genotyp offensichtlich. Würde die Einführung
von Mindestzuchtwerten anstatt der bisherigen Mindestzuchtnoten nicht
zur Auswahl besserer Hunde führen? (Bei der Bekämpfung der HD wird
der Zuchtwert ja bereits berücksichtigt.) Die Nachkommenleistung sollte
aber unbedingt stärker als die Eigenleistung in diesem Wert einfließen.
Dadurch könnte die Sensibilität der Deckrüdenbesitzer erhöht und das
Engagement der Züchter ihren Welpenkäufern gegenüber gestärkt
werden. Um nun nicht Gefahr zu laufen den viel zitierten
„Computerhund“ zu züchten, wäre der Zuchtausschuß gefragt. Zu
seinen Aufgaben sollte die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen für
die Verwendung von Hunden gehören, die trotz ihrer, auf  Prüfungen
gezeigten mangelnden Eigenleistungen im jagdlichen Gebrauch
überzeugen und dies über Leistungszeichen nachweisen können. In
diesem Zusammenhang wäre die Schaffung eines Leistungszeichens für
Hunde mit guten Drückjagdqualitäten wichtig.


Über eine rege Diskussion dieser provokativen Vorschläge würde ich
mich freuen!


 

Fuchs
     So nicht!

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Hannes Lang

 

 

 
 
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